Sternmarsch auf Biblis

Mit ihrer großen „Atomkraft? Nein Danke!“-Fahne und ihrem neongrünen T-Shirt sticht sie aus der Menge. Christine Kelter-Honecker ist 48 Jahre alt und Kreisgeschäftsführerin der Grünen in Darmstadt. Ihre kurzen roten Haare bilden einen starken Kontrast zu ihrem grünen Oberteil. Nach dem gemeinsamen Frühstück am Ostermontag ist sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter mit dem Bus von Weiterstadt angereist, um am Sternmarsch auf Biblis teilzunehmen.

Der schon in den 1970er Jahren verwendete Slogan „Atomkraft? Nein Danke!“ ist präsenter denn je. Auch Kelter-Honecker trägt runde Buttons mit dieser Aufschrift. Seit acht Jahren ist sie Parteimitglied bei den Grünen, politisch aktiv und interessiert war sie jedoch schon immer. Seit Jahren nimmt sie an Friedens- und Anti-Atomkraft-Demos in ihrer näheren Umgebung teil. Während der Demonstration ist sie durchweg von jungen Menschen umgeben, die dem Interview lauschen.

Christine Kelter-Honecker demonstriert dafür, dass Atomkraft in Deutschland bald Geschichte ist. Ob die Politik mit ihren Versprechen bezüglich des Atomausstiegs jedoch puren Populismus verfolgt, ist ihrer Meinung nach schwer einzuschätzen. „Ich bin da noch etwas skeptisch, aber die Hoffnung ist auf jeden Fall vorhanden“, sagt sie. Ein Lächeln umspielt dabei ihre Augen.

Die Atomkraftgegnerin glaubt, dass „manchmal die Zeit erst reif sein muss, um Menschen nachwirkend aufzuschrecken.” Aber vielleicht lag es auch daran, dass nun ein „technologisch hoch entwickeltes Land wie Japan” betroffen ist. Viele Menschen dachten bestimmt, dass der „Super-GAU nur in schlecht gepflegten Kraftwerken wie Tschernobyl möglich wäre.“ Sie ist sich sicher, dass immer ein Restrisiko bleibt. Man müsse nur die Folgen von einem Stromausfall über einen längeren Zeitraum oder von Attentaten aus der Luft bedenken.

Dass deutsche Atomkraftwerke die sichersten der Welt sind, bezweifelt sie. Bevor sie antwortet, denkt sie kurz nach. „In Japan dachten die Menschen und Forscher dies bestimmt auch. Aber die letzten Monate haben gezeigt, dass solche Katastrophen auch in hochtechnologisierten Ländern möglich sind.”

Kelter-Honecker wünscht sich schnellstmöglich einen Ausstieg und wäre auch bereit, dafür höhere Preise zu zahlen: „Ich beziehe gar keinen Atomstrom mehr.“ Sie ist zuversichtlich, dass ein umgehender Ausstieg aus der Atomkraft für Deutschland wirtschaftlich keine Nachteile mit sich bringen würde: „In Österreich zum Beispiel steht in der Verfassung, dass gar keine Atomkraftwerke gebaut werden dürfen, daran könnte man sich orientieren“, erklärt sie.

Kreisgeschäftsführerin der Grünen in Darmstadt

Kreisgeschäftsführerin der Grünen in Darmstadt

In keinem Land kochte die Diskussion über den Atomausstieg nach Fukushima so hoch wie in Deutschland. Ihrer Meinung nach liegt das daran, dass Deutschland generell umweltbewusster sei als beispielsweise Frankreich. Trotzdem ist sie optimistisch, dass diese Stimmung auf die umliegenden Länder überschwappen wird: „Das Risiko der Kraftwerke um Deutschland herum ist nicht wegzudiskutieren. Umliegende Länder müssen dann mitziehen!“

Anti-AKW Demonstranten am 25. Jahrestag des Tschernobyl-Unglücks

Anti-AKW Demonstranten am 25. Jahrestag des Tschernobyl-Unglücks

Sie lächelt hoffnungsvoll und schaut sich um. Die große „Atomkraft? – Nein Danke“-Flagge weht leicht im Wind. „Diese Demonstration zeigt einen Ausschnitt aus unserer Bevölkerung“, sagt sie. „Alle Altersgruppen und Schichten sind vertreten. Die Katastrophe um Fukushima hat vielen gezeigt, dass es auch anders gehen kann.“

Fukushima hat weite Teile der Bevölkerung in puncto Atomkraft aufgerüttelt. Sogar der Umweltministers von Bayern, Markus Söder (CSU), sagte: „Japan hat uns gezeigt, dass das Unmögliche Realität werden kann.“ Kelter-Honecker schüttelt den Kopf: „Nach Tschernobyl waren die Folgen und Risiken klar. Es ist einfach nur traurig, dass trotzdem all die Jahre weiterhin auf Atomkraft gesetzt wurde.“

Die Kreisgeschäftsführerin der Grünen wäre froh, wenn sich die Atomkraft endlich erledigt hätte, damit sie ihre Zeit nicht mehr damit verbringen muss, gegen sie zu demonstrieren. „Die Kraftwerke müssen endlich abgeschafft werden!“, sagt sie energisch und umschließt dabei ihre große Fahne fester mit beiden Händen.

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