Im (Online-)Olymp der Göttlichen

2. Juli 2009 von Christina Schönfeld

Ein bisschen größenwahnsinnig...

BWLer, Informationswissenschaftler, Designer und Informatiker – sie alle mussten leiden. BWLer sind Snobs, Informationswissenschaftler unscheinbar, Designer oberflächlich und Informatiker schrullige Nerds.

Wir Online-Journalisten hingegen sind allen überlegen.

Oder etwa doch nicht?

Online-Journalisten sind überheblich. Wir nehmen uns die Dreistigkeit heraus, über andere Studiengänge herzuziehen. Vielleicht sind wir aber auch einfach nur beleidigt, weil andere Studierende unser Fach grundsätzlich nicht ernst nehmen. “Die Meisten können sich gar nicht vorstellen, was genau wir machen und was für Fächer wir haben”, beschreibt Katharina. Lernen wir jemanden kennen und erzählen, was wir studieren, zieht unser Gesprächspartner die Augenbrauen plötzlich ironisch hoch: „Und? Bloggst du schon?“

Lassen wir den Zusatz „Online“ allerdings einfach weg, reißt so manch einer die Augen auf: „Oh, das wollte ich auch gerne machen.“
Online-Journalismus hat scheinbar immer noch den Ruf, minderwertig zu sein. Dabei ist die Annahme, dass wir den ganzen Tag lang nur vor dem PC sitzen, völlig falsch. „Der Großteil des Inhalts unseres Studiengangs befasst sich mit der allgemeinen Journalisten-Ausbildung“, so Professor Dr. Lorenz-Meyer. Und nein, wir sind nicht alle Blogger, die permanent wild auf ihre Tastatur eindreschen. Jan erinnert sich an den legendären Ausruf in unserem Photoshop-Kurs: „Wo ist denn hier der Arbeitsplatz?“ So manch ein Computer-Begeisterter dürfte sich bei uns wohl die Haare einzeln ausrupfen…

Dafür sind wir Journalisten in der Regel äußerst kommunikativ. Peinliche Gesprächspausen sind uns völlig fremd. Stattdessen setzen wir keinen Punkt und Komma und so wird der eine oder andere Gesprächspartner schon mal tot gequatscht. Frei nach dem Motto: Eure Meinung interessiert uns ohnehin nicht. Schließlich sind wir die Meinungsmacher von Morgen.

Um uns etwas vom hohen Ross herunterzuholen, wirft man uns an den Kopf, dass wir nur an der h_da gelandet sind, weil wir es nicht in einen Publizistikstudiengang an der Uni oder an eine Journalistenschule geschafft haben. Das trifft unser Ego sehr hart. Aber es gibt einige, die sich bewusst für die Hochschule entschieden haben. Hier lernen wir die Theorie, aus der Publizistik hauptsächlich besteht, und das Praktische, das an einer Journalistenschule eingetrichtert wird. Mit einer Prise „Online“ natürlich.

“Das Gute am unserem Studiengang ist, dass wir eine relativ kleine Gruppe sind“, findet Katharina und bezieht sich auf  circa 40 Kommilitonen pro Jahrgang. So könne man sich auch mal in Ruhe mit dem Professor unterhalten, ohne dass 100 andere Studenten hinter einem mit den Hufen scharren.

Im 5. Semester teilen wir uns dann in zwei verfeindete Lager auf. Ein Teil strebt weiter den Beruf eines rasenden Reporters an, die anderen stürzen sich auf die von den meisten nicht allzu sehr geschätzte PR. Und danach hoffen wir, für unsere Arbeit tatsächlich entlohnt zu werden, vielleicht für den Spiegel oder DIE ZEIT schreiben zu dürfen und eines Tages dann den Pulitzer-Preis abzustauben.

Ein bisschen Größenwahn wird ja noch erlaubt sein…

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2 Reaktionen zu “Im (Online-)Olymp der Göttlichen”

  1. Kathi_Tron

    Großartig :D
    Auch wenn Andere gerne über deine Kolumne ablästern und als “das schlechteste das je im campusmagazin veröffentlicht wurde” bezeichnen, ich liebe sie.
    Hast uns echt treffend beschrieben :)

  2. Sarah

    Mir haben deine anderen Kolumnen besser gefallen. Die hatten mehr Witz und Lockerheit. :-)

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