Mukefuk und Nesthäkchen

2. Juli 2009 von Tanja Praschak

Dörthe Binkert - "All die schönen Wörter - die wir vor dem Untergang retten sollen"Die Sprache spiegelt den Wandel der Gesellschaft: Wörter, die man vor 50 Jahren noch verwendete, sind heute ausgestorben. Ein Buch versucht bedrohte Wörter vor dem Verschwinden zu bewahren.

Begriffe wie „Backfisch“, „Altenteil“, „Knüller“ und „Transuse“  gehören laut der Buchautorin Dörthe Binkert zu den akut bedrohten Worten. Bei ihrem Rettungsversuch hat sie sich auf noch existierende, aber vom „Aussterben bedrohte“ Wörter konzentriert und nicht auf bereits verschwundene.

Allerdings wusste ich bei manchen Begriffen bereits jetzt die Bedeutung nicht und hörte zum ersten Mal von ihnen. Vielleicht wisst ihr ja, was eine „Spiegelfechterei“ oder ein „Zuber“ ist. Falls nicht, werden diese Begriffe im Buch so schön erklärt, dass auch die „Jugend von heute“ noch etwas darunter verstehen kann. Beispielsweise bezeichnet man mit „Mukefuk“ Ersatzkaffee, der keinerlei Kaffeebohnen und Koffein enthält, wie etwa Gerstenkaffee oder Malzkaffee.

Doch zwischen Ausdrücken wie „muksch“ und „unken“ gab es auch einige Wörter, die ich noch verwende. So findet man im Buch Begriffe wie „Ohrwurm“, „Ladenhüter“, „Augenweide“ „Nesthäkchen“ oder „Intrige“. Oder bin ich vielleicht „altbacken“? Auch dieses Wort findet man im Buch erklärt.

Im Vorwort erläutert die Autorin die Gründe für das Aussterben von Wörtern und schildert wie sich die Sprache im Laufe der Jahre verändert. Die Sprache „schafft neue Wörter und Begriffe und folgt damit den Entwicklungen in Gesellschaft und Politik, Wissenschaft und Technik“. Gerade Dialekte haben einen großen sprachlichen Reichtum, sie sind geprägt vom Alltag der Bauern. „An der Sprachgeschichte“, so Binkert, „lässt sich auch Kulturgeschichte ablesen.“ Mit den verschwundenen Wörtern gehen Werte und Denkweisen verloren, findet Binkert.

Ihr Werk ist unterhaltend und man bekommt einen kleinen Einblick in den Sprachgebrauch. Das Buch ist übersichtlich geschrieben. Von A bis Z bekommt man zu jedem Buchstaben eine Auswahl an „bedrohten“ Wörtern. Ein Buch, in das man immer mal wieder hineinschauen und mit dem man seinen Sprachhorizont erweitern kann.

Dörthe Binkert: „All die schönen Wörter – die wir vor dem Untergang retten sollten“, Thiele Verlag, München und Wien 2007. 174 Seiten, 12 €.

Angaben zu Dörthe Binkert:
Dörthe Binkert studierte Germanistik, Politologie und Kunstgeschichte. Lange Zeit arbeitete sie als Cheflektorin für ein großes Verlagshaus. Seit 1975 lebt sie als freie Autorin in Zürich.

Weitere Werke: „Die Melancholie ist eine Frau“, „Meine Zeit mit mir“, „Das süße Leben“ und „Die Lust des Augenblicks“.

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